Warum du seit 6 Wochen nichts von mir gehört hast oder was mein Sommerloch mit Kreativität zu tun hat!

Ich gestehe, ich war faul ... gerne wollte ich Euch an meiner Urlaubsreise nach Italien und Griechenland teilhaben lassen durch Einblicke ins Skizzenbuch oder durch ein Malvideo vor Ort ... und dann: Nichts! Keine Energie, keine Lust. Wollte einfach nur aufs Meer schauen. Oder dort entlanglaufen. Ich wollte mich ganz auf die Orte einlassen, an denen ich war. Einfach nur dort sein. Das Leben für 4 Wochen stark vereinfachen. Nichts posten, nichts schreiben, nichts malen, nichts (oder nur wenig) skizzieren, noch nicht mal lesen (Das kommt sehr selten vor ...). Habe meinen Geist ganz herunter gefahren. Das war nötig, schwirrt mir doch der Kopf häufig vor Ideen, inneren Bildern, Formulierungen, Eindrücken und von dem was eigentlich noch getan werden müsste.

Früher hätte es mich beunruhigt, wenn der Drang kreativ zu sein, mal verschwand. Die Sorge war groß, nicht mehr kreativ sein zu können oder keine Ideen zu haben. Heute weiß ich, dass ich auch mal eine Pause vom schöpferischen Prozess brauche. Und spätestens seitdem ich hauptberuflich als Künstlerin arbeite und die Malerei nicht mehr „nur“ der Ausgleich zu dem manchmal sehr technischen Job als Grafikerin dient, hat sich etwas verändert. Nun brauche ich auch davon eine Auszeit. Es tut gut einmal nichts zu müssen.

 

Von der Reise zurückgekehrt fiel mein Blick auf ein vor mehreren Monaten begonnenes Buch, in das ich nicht so ganz den Einstieg gefunden hatte. Durch meinen Urlaub sensibilisiert hatte das aufgeschlagene Kapitel plötzlich eine andere Bedeutung bekommen. In seinem Buch „Die Kunst ein kreatives Leben zu führen“ schreibt Frank Berzbach:

„Muße lässt sich also als tiefe innere Ruhe verstehen mit dem Glück allein zu sein. Gerade das absichtslose Tun öffnet den Raum für kreative Leistungen, die noch nicht vorschnell durch Zwecke verzerrt und bewertet wurden.“

Er zitiert unter anderem den Psychotherapeuten Andreas Knuf, der in seinem Buch „Ruhe da oben“ folgendes schildert:

„Aus unserem Kopf bekommen wir die Stimmen nur schwer vertrieben. Zum einen den inneren Antreiber, der uns jede Fähigkeit zur Muße nimmt. Für Kreative ist Anspannung nicht das Problem, sie arbeiten meist zu viel. Aber der Energiehaushalt benötigt Pausen, wir müssen uns von der Anspannung wieder erholen. Unser Kopf kann für andauernde Unzufriedenheit sorgen, ganz egal wie produktiv wir waren. Unser Geist enthält zudem einen inneren Kritiker, der in seiner schlimmsten Form als Perfektionismus auftritt. Perfektionismus hemmt die Leistungsfähigkeit, er lähmt und quält auf Dauer.“

Im Kursablauf und ebenso bei meiner eigenen künstlerischen Arbeit begegnet mir der „innere Kritiker“ immer wieder als ungebetener Gast. Wer kennt ihn nicht? Das er das „absichtslose Tun“ verhindert und sich das volle kreative Potenzial nicht entfalten kann, ist mir bewusst. Trotzdem fällt es mir manchmal schwer, den Kopf ruhig zu stellen.

Frank Berzbach schreibt dazu: „Die Bewertungen, die unser Geist laufend produziert, schränken die Kreativität durch Zensur ein. Also ist der einzige Weg, freier zu werden, Abstand zu den eigenen Gedanken zu bekommen.“

Ja, da habe ich wohl alles richtig gemacht in meinem Urlaub. Energie getankt. Kopf beruhigt. Und deswegen kam vielleicht Idee zu diesem Blogartikel.

Was hat mein Urlaub mit Dir zu tun? Ich möchte Dir etwas Wichtiges sagen. Gönne auch Du Dir Pausen von Deiner Kreativität. Beunruhige dich nicht, wenn du mal leer bist und keine Energie und keine Idee hast. Oder keine Lust. Das ist normal und muss ab und an sein. Versuche diesen Zustand nicht zu Bewerten und auch hier den Druck herauszunehmen. Es ist nicht möglich, permanent zu „produzieren“. Und dabei auch noch das perfekte Ergebnis abzuliefern, nicht wahr? 😉

Auch Kreativität verläuft in meinen Augen in Wellen. Der Drang danach kann nicht immer gleich stark sein. Wenn Du den inneren Wunsch hast, Dich auszudrücken, gehört das zu Deinem Leben, auch wenn Du mal eine Pause machst. Genieße sie. Lass die Seele baumeln. Anschließend kannst Du wieder voll durchstarten. Und wer weiß, auf welche Ideen DU dann so kommst...

Viel Freude bei allen Experimenten, lass Farbe fließen

Und noch einen schönen Sommer, egal wo ihr gerade seid!

Angelika

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